20. Trendtag: Jubiläum mit Weitblick
Der 20. Trendtag von foodRegio e. V. brachte rund 150 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen und bot die perfekte Bühne für einen charmanten Mix aus Rückblick und Zukunftsvisionen der Ernährungsbranche in Schleswig-Holstein.
Am 3. Juni 2026 war es so weit: foodRegio begrüßte in den media docks in Lübeck die norddeutsche Ernährungsbranche, um den 20. Trendtag zu feiern. Nach der Mitgliederversammlung, die im Vorfeld stattfand, eröffneten Prof. Dr. Björn Jacobsen (Nordic Management Consulting GmbH, Hochschule Stralsund) und Gülten Bockholdt (BoBe GmbH & Co.KG) den Festtag. Sie erinnerten daran, dass am Trendtag zwar traditionell der Blick nach vorn gerichtet wird, diesmal aber die vergangenen 20 Jahre im Rampenlicht stehen sollten. Gülten Bockholdt schilderte die Anfänge der Initiative, die einst in einem kleinen Raum der Wirtschaftsförderung entstand und sich zu einem Netzwerk mit großer Strahlkraft entwickelt hat.
Im Anschluss begrüßte Jochen Brüggen (H. & J. Brüggen KG) die Gäste und dankte für zwei Jahrzehnte Vertrauen, Engagement und gemeinsamen Vorangehens. Er blickte auf die Entwicklung des Netzwerks zurück, das mit 14 engagierten Unternehmen begann und heute 85 Mitglieder zählt. Jochen Brüggen betonte, dass Wandel kein Risiko, sondern eine Chance sei, und dass die gemeinsame Idee auch die kommenden 20 Jahre tragen werde.
Einen wichtigen Ausblick gaben anschließend Marco Kuhlow (foodRegio) und Patrick Ferrier (KIN). Sie stellten die geplante Zusammenarbeit vor, die ab Januar 2027 beginnen soll. Beide Institutionen wollen ihre Aktivitäten stärker verzahnen, Kapazitäten bündeln und ihre Reichweite erhöhen, um die Branche noch wirkungsvoller zu unterstützen.
Mit einem lebhaften Vortrag nahm Godo Röben, ehemaliger Geschäftsführer der Rügenwalder Mühle, das Publikum mit in die Zukunft der Ernährung. Er schilderte, wie sich das Unternehmen zu einem Vorreiter fleischloser Produkte entwickelte, und zeigte auf, warum Unternehmen sich gerade in guten Zeiten mit Veränderungen auseinandersetzen sollten. Röben plädierte dafür, nicht in kleinen Schritten zu denken, sondern mutige Entscheidungen zu treffen – besonders Familienunternehmen, die Verantwortung über Generationen tragen. Angesichts großer gesellschaftlicher Herausforderungen wie Klimawandel, Massentierhaltung, Energiewende und Agrarwende seien neue Geschäftsmodelle und bessere Produkte unverzichtbar. Seine Prognose bis 2028: Vegane Alternativen werden geschmacklich gleichwertig sein, für jedes tierische Produkt wird es eine pflanzliche Variante geben und alle Vertriebskanäle werden genutzt werden. Marketing sowie Forschung & Entwicklung müssten dabei Hand in Hand gehen.
Wie stark soziale Medien Kaufentscheidungen beeinflussen, erläuterte Prof. Dr. rer. Nat Martin Smollich (Universitätsklinikum SH). Besonders im Ernährungsbereich seien Fehlinformationen prädestiniert, sich über Plattformen wie z.B. TikTok rasant zu verbreiten. Influencer wirkten durch parasoziale Beziehungen zu Followern als Verstärker, während gleichzeitig Algorithmen den Eindruck erzeugten, bestimmte Fehlinformationen seien gesellschaftlicher Konsens. Wissenschaftliche Inhalte hätten es schwer, sich dagegen zu stellen, da sie sachlicher formuliert seien und weniger emotional transportiert würden. Für Unternehmen entstehe dadurch oft Reformulierungsdruck, verbunden mit hohen Kosten und dem Risiko eines Vertrauensverlusts. Smollich betonte jedoch, dass Verbraucher Vertrauen kaufen. Unternehmen können dieses Vertrauen stärken, indem sie transparent erklären, wie Entscheidungen zustande kommen und wie die Sicherheit von Produkten gewährleistet wird. Sein Fazit: Vertrauen sei robuster als jede Faktenkampagne, Glaubwürdigkeit gewinne an Wert, und wissenschaftliche Expertise könne ein zentraler Bestandteil der Markenidentität werden, sofern sie emotional anschlussfähig vermittelt werde.
Nach einer Mittagspause, die die Gäste zum Netzwerken nutzten, betrat Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (Wirtschaftsminister SH) die Bühne. Er hob in einem Grußwort an das Publikum die Bedeutung der Ernährungsbranche für Schleswig-Holstein hervor. Anschließend stellte er sich den Fragen der Gäste – gewürzt mit witzigen Anekdoten. Mit offensichtlicher Freude präsentierte er dann die Foodbox, die mit bekannten Produkten aus Schleswig-Holstein gefüllt war,
Ein Blick hinter die Kulissen der Produktentwicklung gewährte Dr. Sebastian Portius (Schwartauer Werke GmbH & Co.KG). Er erzählte von Erfolgen und Fehlschlägen der vergangenen Jahre. So habe sich die Konfitüre Schwartau Samt trotz anfänglicher Skepsis zu einem Klassiker entwickelt, während der herzhaft gedachte Müsliriegel Corny Pepp am Markt scheiterte. Auch die innovative Fruttissima-Marmelade habe aufgrund ihres Platzes im Kühlregal nicht die nötige Sichtbarkeit erhalten und musste vom Markt genommen werden. Portius’ Fazit lautete, dass nicht jede Innovation sofort ein Erfolg sei, aber jede Innovation wertvolle Erkenntnisse bringe.
Zum Abschluss präsentierte Dr. Dorotea Pein (Planteneers GmbH) ihre Visionen für Produkte bis zum Jahr 2050. Ausgehend von globalen Megatrends zeigte sie auf, wie stark der Bedarf an pflanzenbasierten Produkten wachsen werde. Planteneers habe sich vorgenommen, die Entwicklung von Pflanzenproteinen konsequent voranzutreiben und moderne, gesunde Produkte für die Zukunft zu gestalten.
Mit dieser Zukunftsvision ging ein Tag voller Impulse zu Ende. Prof. Dr. Björn Jacobsen und Gülten Bockholdt beschlossen den Tag mit einem kurzen Fazit. Beide betonten, wie viel die Ernährungsbranche Schleswig-Holsteins in den vergangenen zwei Jahrzehnten erreicht hat – und wie groß das Potenzial ist, die kommenden 20 Jahre ebenso mutig und innovativ zu gestalten.
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