"Daten sind unser Herzensthema"
Arne Kröger ist ein Mann der Daten. Als einer der Geschäftsführer der Lübecker Softwarefirma Gutzmann GmbH, die seit über vier Jahrzehnten individuelle IT-Lösungen für die Industrie entwickelt, kennt er die Herausforderungen der digitalen Transformation aus erster Hand. Besonders eng ist das Unternehmen mit der Ernährungswirtschaft verbunden, unter anderem durch langjährige Projekte mit Mars im Bereich Produktstammdaten.
Im Vorfeld der Fachveranstaltung Newtrition X – Future Food powered by AI, die am 11. November 2025 in Lübeck stattfindet und sich ganz der Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Lebensmittelwirtschaft widmet, spricht Arne Kröger mit foodRegio über die Bedeutung von Datenqualität, die Chancen und Grenzen von KI und seine Vision einer datendemokratischen Unternehmenswelt.
Mit seinem Impulsvortrag zum Thema „Datenmanagement im KI-Kontext“ wird Arne Kröger auf der Konferenz einen praxisnahen Blick hinter die Kulissen der digitalen Infrastruktur werfen – und zeigen, warum Daten nicht nur technische Ressourcen, sondern strategische Assets sind.
foodRegio: Herr Kröger, zur Entwicklung komplexer datenbankbasierter Softwarelösungen für verschiedene Branche sind Daten das zentrale Thema des Unternehmens Gutzmann. Welche konkreten Aufgaben und Herausforderungen ergeben sich daraus?
Arne Kröger: Seit über 40 Jahren entwickeln wir bei Gutzmann Individualsoftware, und unsere enge Verbindung zur Food-Branche verdanken wir der langjährigen Zusammenarbeit mit Mars. Seit etwa 15 Jahren unterstützen wir dort den Bereich der Produktstammdatenbereitstellung. Dabei geht es nicht nur um das Sammeln und Speichern von Daten, sondern darum, sie sinnvoll aufzubereiten, bereitzustellen und für Entscheidungen nutzbar zu machen. Dafür brennen wir.
foodRegio: Inwieweit gehören Ihre berufliche Entwicklung und die von der Gutzmann GmbH zusammen?
Kröger: Ich habe bei Gutzmann meine Ausbildung gemacht – als Fachinformatiker für Systemintegration. Ich habe viel programmiert, entwickelt und bin dann in die Projektrolle gewechselt. Dort habe ich technische Projekte geleitet und mich zunehmend mit Architekturfragen der Software beschäftigt. Später habe ich meinen Bachelor in Betriebswirtschaft gemacht, und 2017 bin ich in die Geschäftsführung eingestiegen. Heute verantworte ich alles rund um Technik, Organisation, Projektsteuerung und Kundenkontakt. Ich bin also tief verwurzelt im Unternehmen und kenne es aus verschiedenen Perspektiven.
foodRegio: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in Ihrer Arbeit?
Kröger: KI ist ein spannendes Werkzeug, aber kein Selbstläufer. Viele Unternehmen unterschätzen, was im Vorfeld nötig ist, um KI sinnvoll einsetzen zu können. Die größte Herausforderung ist oft die Datenbasis: Sind die Daten vollständig? Sind sie korrekt? Wo liegen sie? Entspricht ihre Verarbeitung der Datenschutz-Grundverordnung? Und vor allem: Sind sie für alle Mitarbeitenden zugänglich? Wenn diese Hausaufgaben nicht gemacht wurden, kann KI nicht funktionieren. Wir helfen Unternehmen dabei, diese Grundlagen zu schaffen und einen realistischen Einstieg in KI zu finden – jenseits des Hypes.
foodRegio: Können Sie ein konkretes Beispiel aus Ihrer Praxis nennen?
Kröger: Wir betreiben für einen unserer Kunden eine Plattform. Diese dient der Bereitstellung von Produktdaten – sowohl für Kunden, Agenturen als auch für interne Mitarbeitende. Nicht alle Kunden sind an automatisierten Plattformen (wie GS1-Publikationen) angeschlossen und es gibt auch organisationsinterne Bedarfe, auf diese Daten zuzugreifen. Wir bereiten die Daten aus SAP und anderen Systemen so auf, dass sie im richtigen Format zur richtigen Zeit bei den richtigen Personen landen. Die KI-Fragestellung, die jetzt dazukommt, lautet zum Beispiel: Ich brauche eine Übersicht über bestimmte Produkte mit Stammdaten für Range A – bitte als Excel-Tabelle. Die Daten sind vorhanden, aber sie müssen individuell aufbereitet werden. Genau da setzen wir an.
foodRegio: Mit welchem Ziel werden diese Daten aufbereitet?
Kröger: Es gibt viele Use-Cases. Im Sales-Bereich etwa: Welche Produkte sind im nächsten Frühjahr im Trend? Was fehlt noch im Listing? Was ist das komplette Portfolio einer bestimmten Marke? Aber auch spezielle Anfragen – etwa, wenn ein Rohstoff in Verruf gerät und aus allen Produkten entfernt werden soll. Dann braucht das Unternehmen eine vollständige Übersicht aller betroffenen Produkte. Mit Hilfe der KI können solche Anforderungen in Sekunden erfüllt werden. Noch besser wäre es, wenn die KI auf individuelle Bedürfnisse reagieren könnte – nicht nur auf bekannte Use-Cases.
foodRegio: Was motiviert Sie persönlich bei Ihrer Arbeit?
Kröger: Ich bin ein großer Verfechter der Datendemokratisierung. Daten sollten innerhalb eines Unternehmens allen zur Verfügung stehen, die sie brauchen – schnell, einfach und verständlich. KI ist für mich ein Tool-Set, das dabei hilft, individuelle Informationsbedarfe zu formulieren und zu erfüllen. Es ist eine Alternative zur klassischen Web-Oberfläche: Ich muss nicht wissen, wo ich klicken muss – ich kann einfach sagen, was ich brauche, und das System hilft mir, dorthin zu kommen. Das ist für mich der größte Mehrwert.
foodRegio: Welche Herausforderungen sehen Sie beim Einsatz von KI?
Kröger: Die größte Herausforderung ist die Datenqualität. Wenn Daten nicht gesammelt oder nicht konsequent gepflegt werden, entsteht eine unrealistische Erwartungshaltung gegenüber KI. Denn ein System kann nur das liefern, was vorher eingegeben wurde. Je sauberer der Input, desto besser der Output. Außerdem fehlt es oft an klaren KI-Richtlinien im Unternehmen. Und nicht zuletzt müssen Mitarbeitende mitgenommen werden – ihre Ängste ernst genommen und neue Rollen geschaffen werden. Ich glaube nicht, dass es weniger Jobs geben wird, aber sie werden sich verändern. Darauf müssen wir vorbereitet sein.
