Menü

foodRegio Thementag Verpackung „FIT FÜR DIE PPWR: Von der Konformitätserklärung zur praktischen Umsetzung“

Der foodRegio-Thementag Verpackung zeigte: Die PPWR stellt Unternehmen vor enorme Dokumentationspflichten – und eröffnet Chancen für digitale Lösungen.

Am 23. Juni 2026 lud foodRegio e. V. zum Thementag Verpackung ins Smurfit Westrock Experience Center nach Hamburg ein. Im Mittelpunkt standen die neuen Anforderungen der EU-Verpackungsverordnung PPWR und deren praktische Umsetzung in Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft.

Zu Beginn der Veranstaltung gab Liane Miller, Verpackungsingenieurin der Tilisco GmbH, einen strukturierten Überblick über die Rollenverteilung innerhalb der Lieferkette, wie sie die PPWR vorgibt. Sie erläuterte die unterschiedlichen Pflichten von Herstellern, Erzeugern, Lieferanten und Importeuren und definierte die verschiedenen Verpackungsarten. Besonders wichtig sei, so Miller, dass Unternehmen klar verstehen, wer für welche Konformitätserklärungen verantwortlich ist, wer technische Dokumentationen erstellen muss und wer Nachweise einsammelt. Die technische Dokumentation sei das Fundament jeder Konformitätserklärung. Zu Beginn könne eine Art Generalerklärung hilfreich sein, müsse jedoch durch vollständige und jederzeit auffindbare technische Unterlagen wie Zeichnungen, Materialdaten oder Bauteilbeschreibungen unterfüttert werden. Wenn diese Dokumentation vollständig vorliegt, seien Unternehmen zum 12. August 2026 zunächst auf der sicheren Seite. Da die Datenmengen jedoch erheblich seien, betonte Miller die Bedeutung eines professionellen Datenmanagements.

Im anschließenden Deep Dive zeigte Dr. Andreas Grabitz von FCMExperts, wie mit PFAS und Schwermetallen im Rahmen der PPWR umzugehen ist. Während Schwermetalle aufgrund vorhandener Studien gut bewertbar seien, stellen PFAS die Branche vor größere Herausforderungen. Jedoch würden die Grenzwerte hier meist nur dann überschritten, wenn PFAS bewusst im Produktionsprozess eingesetzt worden seien. Wurden PFAS nicht aktiv verwendet, sei die Verpackung in der Regel PPWR-konform. 

Nach den Vorträgen führte Niki Fleischmann von Smurfit Westrock GmbH durch das Experience Center und zeigte anhand zahlreicher Beispiele, wie Verpackungen reduziert, Materialien ersetzt oder nachhaltiger gestaltet werden können. Er demonstrierte eindrucksvoll, wie praxisnah Verpackungsoptimierung heute umgesetzt werden kann.

In einem Praxisworkshop am Nachmittag verdeutlichte Liane Miller, dass die Verpackungsabfragen ein fortlaufender Prozess ist. Sie rechnet damit, dass es nach der Erstbearbeitung zu rund 100 Änderungen kommen wird und Unternehmen ihre Daten kontinuierlich aktualisieren müssen. Um diesen Aufwand zu bewältigen, empfahl sie, den Prozess zu digitalisieren. Sie stellte ein KI-gestütztes Tool vor, das gemeinsam mit R-Cycle entwickelt wurde und Konformitätserklärungen sowie PPWR-Nachweise automatisiert erstellt. Dr. Grabitz stellte ergänzend ein weiteres KI-basiertes Tool vor, das Unternehmen bei der Prüfung von Konformitätserklärungen unterstützt – etwa hinsichtlich Vollständigkeit, Aktualität und neuer regulatorischer Anforderungen.

Der Verpackungstag zur PPWR machte deutlich, wie groß der Informationsbedarf der betroffenen Unternehmen in der Ernährungswirtschaft ist und wie viele Fragen zur praktischen Umsetzung der PPWR noch offen sind. Beide Referenten betonten, dass Unternehmen pragmatisch und wirtschaftlich vorgehen sollten, um die neuen Anforderungen effizient zu erfüllen.